Tobias Dohmann

Suchmaschinenoptimierung aus Bielefeld

Udo Carl

Gastbeitrag: Suchmaschinenoptimierung und Social Web

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Suchmaschinenoptimierung und Social WebIst-Zustand und Zukunftsperspektiven

Welchen Einfluss haben Facebook-Likes und Shares, bei Twitter getweetete und retweetete URLs oder das häufige „Plussen“ von Google+-Usern bereits heute auf das Ranking einer Webseite in Googles organischen SERPs? Im Moment ist diese Frage nicht ohne weiteres zu beantworten. Klar ist, dass sich für Webseiten, deren URL während einer bestimmten Zeitspanne häufig in Twitter-Tweets auftaucht, in der Regel ein temporärer Ranking-Anstieg in den organischen SERPs beobachten lässt– selbst nachdem Google nicht mehr direkt auf Twitter-Daten zurückgreift. Auch wurden bereits häufig positive Korrelationen zwischen den Facebook-Likes und Shares, die eine Website auf sich zieht, und deren (auch langfristigem) Ranking ermittelt. Allerdings wird letzteres von den meisten SEOs traditionell so interpretiert, dass attraktive Websites neben einer guten Resonanz im Social Web eben normalerweise auch viele natürliche Backlings besitzen – und letztere wohl für das gute Ranking sorgen. Prinzipiell gilt natürlich, dass auch Google nicht hinter die Privacy-„Wall“ schauen kann, die die Kommunikation der Facebook-User vor dem Einblick Dritter schützt. Anders stellt sich die Frage freilich bei öffentlich sichtbaren Facebook-Likes und der Kommunikation auf Fanpages. Dass gute Werte in diesem Bereich allein wenig bei Google bewirken, dürfte zunächst klar sein. Dem Autor dieser Zeilen ist zumindest eine größere Website bekannt, die zahllose Facebook Likes auf sich zieht und sehr viel Traffic über eine angebundene Fanpage erhält, die aber nichtsdestotrotz einen sehr geringen Sistrix-Sichtbarkeitsindex aufweist. Der Grund ist offensichtlich: für betreffende Website, die in der Reisebranche unterwegs ist, wurde nie systematischer Linkaufbau betrieben – und allein mit natürlichen Backlinks kann man in besagter Branche, wie jeder SEO weiß, kaum reüssieren. Bleibt allerdings die Frage: Hätte die betreffende Website durch ihre gute Social Media Resonanz einen spürbaren Rankingvorteil gegenüber der unmittelbaren Konkurrenz, wenn sie über eine vergleichbare (über Tausche und Käufe aufgebaute) Backlinkstruktur verfügen würde?

Trotz verbleibender Unsicherheit lautet die Antwort wohl: ja! So ist z. B. bekannt, dass Google es seit Panda nicht „mag“, wenn gut gerankte Websites ihren Traffic ausschließlich oder fast ausschließlich über die Google-SERPs erhalten. Die Logik dahinter: Eine Website, die bei Google prima rankt und reichlich Traffic über die SERPs erzielt, aber sonst nirgendwo „angesagt“ ist (d. h. Traffic gewinnt) und ihren Besuchern auch nicht so nachhaltig in Erinnerung bleibt (oder von diesen nicht so häufig privat gebookmarkt wird), dass wenigstens ein Teil des Traffics über Direktaufrufe der URLs erfolgt, dürfte eben doch nicht so „gut“ sein, wie dies das (bisher) gute Google-Ranking aussagt. Google korrigiert dann seine SERPs entsprechend.

Darüber hinaus gibt es inzwischen auch Bestätigungen von offiziellen Google Vertretern, dass „Social Signals“ – in differenzierter Weise – in die algorithmische Rankingbestimmung mit einfließen.

 

Google+

Gleichwohl ist klar, dass sich Google bei der Auswertung von „sozialen Signalen“, die via Facebook und Twitter kommen, merklich zurückhält. Auf keinen Fall sollte man z. B. in Facebook-Likes die „neuen Links“ sehen! Der Grund für diese Zurückhaltung des Suchmaschinengiganten ist klar: Google möchte mit Google+ sein eigenes soziales Netzwerk aufziehen, aus dem es soziale Signale exklusiv beziehen und bewerten kann. Damit gehen Pläne einher, die bisher bekannte Google-Suche radikal zu einer sozialen und stark personalisierten Suche umzugestalten, zumindest für User, die bei Google+ eingeloggt sind (Stichwort: „Search, plus your world“). Gelingt es Google, diese Pläne nachhaltig umzusetzen, dürfte z. B. eine Reise- oder Shopseite, die in den Google+Circles eines Google+Users A keine Rolle spielt, d. h. dort kaum verlinkt und empfohlen wird, schlechte Chancen haben, prominent in den personalisierten SERPs aufzutauchen, die Google bei einer thematisch passenden Suchanfrage dieses (eingeloggten) Users A ausliefert. Dies gilt zumindest dann, wenn eine bestimmte Anzahl von Konkurrenzseiten oder -shops in besagten Circles besser „angesagt“ ist! Darüber hinaus arbeitet Google daran, jeden Google+User einem typischen Userprofil zuzuordnen. Ist vor diesem Hintergrund z. B. eine bestimmte Art von Reiseportalen oder Online-Shops unter Google+-Nutzern, die einem Profil-Typ XY zugeordnet sind, „typischerweise“ nicht populär, würde sich dies auf die thematisch passenden Suchergebnisse jedes einzelnen dieser zugeordneten (eingeloggten) Nutzer auswirken.

 

Freilich sind solche Szenarios – zumindest mit Blick auf Deutschland – noch Zukunftsmusik. Schließlich steckt Google+ hierzulande – was die Resonanz anbelangt, nicht hinsichtlich der technischen Umsetzung! – noch in den Kinderschuhen. Zwar wächst die Zahl der Google+-Accounts recht schnell, wirklich aktive Google+Nutzer gibt es dagegen nur wenige. Zudem dürften unter diesen aktiven Nutzern viele Internetprofessionals sein, die ihren Google+Account z. B. nur nutzen, um die jeweils neuesten Features des sozialen Netzwerkes zu testen. Ihre private Kommunikation mit Freunden und Bekannten pflegen auch die allermeisten dieser „Geeks“ weiterhin über Facebook. Und natürlich sind auch Google-Plusses nicht die „neuen Links“.

 

Fazit

Fazit ist also: Eine gute Resonanz im Social Web ist für ein gutes Google-Ranking wahrscheinlich schon heute nützlich. Im Zukunft dürfte die Bedeutung noch radikal zunehmen – selbst dann, wenn Google+ ein veritabler Flop wird. Der Suchmaschinengigant dürfte in diesem Fall nach anderen Wegen suchen, um seine Suchergebnisse durch die Auswertung sozialer Signale zu verbessern und gründlicher zu personalisieren. Diese Wege müssten freilich unweigerlich über eine Zusammenarbeit mit Facebook und Twitter führen.

 

Der Autor:

Udo CarlUdo Carl
argutus GmbH
Geschäftsführer

Udo Carl ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der argutus gmbh. Die argutus gmbh ist eine Online Marketing Agentur für Suchmaschinenoptimierung und Social Media.

Gastbeitrag: Suchmaschinenoptimierung und Social Web
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